Zimmermann-Handbeil

Hallo und liebe Grüße aus der Steiermark! Ich bin der Historische Handwerker und heute habe ich ein altes Handbeil restauriert. Es ist ein einseitig angeschliffenes, recht schweres Handbeil, wie es für einen Zimmermann ein praktisches universell einsetzbares Werkzeug wäre. Es ist ganz schön und vor allem praktisch geworden. Schau dir gerne das Video an! 🙂

Handbeil
Eigene Aufnahme

Eine Handvoll Werkzeuge sind für jedes Handwerk typisch. Für das Zimmermannshandwerk ist eines davon das Handbeil. Natürlich werden Handbeile bei vielen Handwerken verwendet und so ist eine Abgrenzung nicht immer möglich. Das Zimmermannshandbeil ist ein vielseitiges Werkzeug für unterschiedliche Anwendungen, die bei der Zimmermannsarbeit anfallen. Darunter fällt natürlich das Spalten von Holz und Hammerarbeiten mit der Hinterseite des Axthauptes, das oft sogar mit einer Schlagplatte (Abbildung unten) versehen ist. Nägel können nicht nur eingeschlagen, sondern mit Klaue, Kerbe (Abbildung oben) oder Nagelloch (Abbildung unten) gezogen werden. Die Form dieser Axt mit Nagelloch ist vor allem in Süddeutschland und Österreich weit verbreitet.

 

Das Werkzeug des Zimmermanns, Schadwinkel, Hans-Tewes, Günther Heine S. 93 "Handbeil Bayern 19. Jhd"

Durch elektrisches Werkzeug ist das Behauen und damit auch das Nachputzen aus der Mode gekommen, was sich auch auf die Form des Blattes und den Schliff der Handbeile ausgewirkt hat. Beile für den alltäglichen Gebrauch haben meiner Erfahrung nach heute deshalb meist leichtere Köpfe und sind beidseitig geschliffen (Abbildung unten links). Trotzdem gibt es auch heute noch Handbeile mit sehr ähnlicher Form wie die oben (Abbildung unten rechts).

Interessant ist, dass die Form der Handbeile von Zimmerleuten im deutschsprachigen Raum regionale Unterschiede aufweist. Das wäre natürlich nichts besonders, da Werkzeuge von Schmieden in der Umgebung hergestellt wurden und die Formen von Meister zu Gesellen weitergegeben wurden, was regionale Eigenheiten erhielt und nur langsamen Veränderungen zuließ. Doch hat sich bei Zimmermannsbeilen eine bemerkenswerte Nord-Süd-Differenz entwickelt: Im Norden, wo der Zimmermannshammer mit einer asymmetrischen Klaue und oft rauer Fläche der Hammerbahn zum Nageln verbreitet war (Abbildungen unten), waren Handbeile mit Klaue oder Nagelloch sehr selten. Im schönen Österreich und Süddeutschland, wo der Zimmermannshammer nicht weit verbreitet war, musste das Handbeil dessen Aufgaben übernehmen.

Nun etwas zur Darstellung des Zimmermanns in unserer Kunstgeschichte. Bekannterweise war Jesus Zimmermann und diesen Beruf hat er natürlich von seinem Ziehvater Josef erlernt. Josef von Nazaret is damit zum Schutzpatron der Zimmerleute geworden. Viele Abbildungen der Heiligen Familie zeigen diese bei der Arbeit und im Alltag. Aus diesen Darstellungen kann natürlich einiges über das Handwerk zur Zeit der Entstehung der jeweiligen Abbildung geschlossen werden.

Das wars auch schon. Ich hoffe Ihr habt disen Beitrag genossen! Bis nächstes mal.

– Der Historische Handwerker

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